Wer zahlt für die Wechseljahresbegleitung? Kosten, Versorgung, Arbeitswelt – und warum Unternehmen jetzt handeln müssen

Wer zahlt für die Wechseljahresbegleitung? Kosten, Versorgung, Arbeitswelt – und warum Unternehmen jetzt handeln müssen

Die Wechseljahre gelten in vielen Unternehmen noch immer als privates Thema. Etwas, das „nicht ins Büro gehört". Doch diese Haltung wird der Realität längst nicht mehr gerecht.

Millionen berufstätiger Frauen in Deutschland sind gerade in dieser Lebensphase – viele davon in anspruchsvollen Rollen, mit hoher Expertise, strategischer Verantwortung und gewachsener Führungsstärke. Frauen, auf die Organisationen angewiesen sind.

Forschung zeigt klar: Wechseljahresbeschwerden beeinflussen die Arbeitsfähigkeit.¹ Und damit wirtschaftliche Prozesse. Wer das ignoriert, zahlt einen Preis – nur merkt er ihn oft nicht sofort.


Ein Blick in die Schweiz – und was er uns zeigt

Ein vielbeachteter Beitrag in HR Today (März 2025) macht sichtbar, was viele ahnen, aber selten laut aussprechen: Frauen in der Lebensmitte werden im Beruf häufig unsichtbar.

Die Zahlen aus einer Schweizer Studie von 2023 sprechen für sich: 59 % der betroffenen Frauen fühlten sich weniger selbstbewusst. 48 % hatten Angst, dass ihre Leistungsfähigkeit negativ bewertet werden könnte.²

Dieses Schweigen erzeugt einen Teufelskreis. Fehlendes Verständnis führt zu fehlenden Angeboten – und fehlende Angebote führen zu Absentismus, Präsentismus und dem, was Forschende „Leavismus" nennen: physisch anwesend sein, aber innerlich nicht mehr dabei.³

Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm. Weltweit entstehen durch Produktivitätsverluste rund 150 Milliarden US-Dollar Schaden pro Jahr.⁴ In der Schweiz allein verursachen Frühverrentungen von Frauen in dieser Altersgruppe jährlich Folgekosten von über zwei Milliarden Franken.⁵ Der Ersatz einer erfahrenen Fachkraft kostet mindestens 50 % ihres Jahresgehalts.⁶

Angesichts des Fachkräftemangels ist die Rechnung einfach: Unternehmen können es sich nicht leisten, diese Frauen zu verlieren.


Warum ein Vortrag alleine nichts verändert

Viele Organisationen starten gut: Sie laden eine Expertin ein, halten einen Awareness-Vortrag, sensibilisieren das Team. Das ist ein Anfang – aber kein Wandel.

Expertinnen und Experten aus HR und Organisationsforschung sind sich einig: Ein einzelner Impuls verpufft schnell, wenn keine Struktur folgt.

Was stattdessen gebraucht wird: eine Analyse der Personaldemografie, konkrete Kennzahlen zur Arbeitsfähigkeit, gezielte Maßnahmen je nach Arbeitsbereich – und eine ehrliche Evaluation, ob diese Maßnahmen auch wirklich helfen.

Erst dann entsteht Wirkung. Und wirtschaftlicher Mehrwert.


Was wirkt – konkret

Der HR-Today-Beitrag zeigt, was in Unternehmen tatsächlich einen Unterschied macht: offene Kommunikation über das Thema, Schulungen für Führungskräfte, flexible Arbeitsmodelle wie Homeoffice-Optionen oder angepasste Temperaturzonen, individuelle Gesundheitsangebote und – ganz wesentlich – der Signal-Charakter: Wir sehen euch.

Unternehmen, die diese Phase aktiv unterstützen, berichten von höherer Motivation, weniger Fehlzeiten und einer deutlich stärkeren Bindung ihrer Mitarbeiterinnen.

Organisationen, die erfolgreich mit dem Thema arbeiten, tun außerdem drei Dinge konsequent:

Sie bauen eine realistische Datengrundlage auf. Wie viele Frauen sind zwischen 40 und 60? In welchen Rollen? Welche Belastungen treten auf?

Sie entwickeln maßgeschneiderte Maßnahmen. Weil Pflege andere Bedürfnisse hat als Verwaltung. Weil Produktion andere Lösungen braucht als Wissensarbeit.

Und sie messen Wirksamkeit. Nicht abstrakt – sondern konkret: Wie verändert sich Schlaf, Energie, Fehlzeiten, Retention? Nur so entsteht eine lernfähige Organisation.


Ist das auch ein Wettbewerbsvorteil?

Ja – und zwar sofort.

Studien zeigen, dass gerade jüngere Generationen von Arbeitgebenden erwarten, Gesundheit ganzheitlich mitzudenken.² Wer Wechseljahre sichtbar macht, sendet ein wichtiges Signal nach innen und außen: Wir erkennen eure Lebensrealitäten an.

Viele Frauen in dieser Phase befinden sich gleichzeitig auf ihrem beruflichen Höhepunkt. Ihr Verlust – durch Krankheit, Teilzeit, innere Kündigung oder Frühverrentung – ist nicht nur menschlich ein Schaden. Er ist es wirtschaftlich auch.

Wechseljahre-Kompetenz ist deshalb kein Nice-to-have. Sie ist ein klarer Wettbewerbsvorteil.


Der ROI – was die Zahlen sagen

Die Daten sind eindeutig: Wechseljahresbeschwerden verursachen Präsentismus, Absentismus und Leistungsschwankungen.³

Ein Beispiel, das viele kennen: Eine erfahrene Mitarbeiterin arbeitet monatelang unter massiven Schlafstörungen. Sie ist physisch da – aber kognitiv eingeschränkt. Das Team bemerkt Verzögerungen, Fehler, Mehrbelastung. Vielleicht kündigt sie sogar.

Die Kosten dahinter sind real: Wissensverlust, Rekrutierung, Einarbeitung, Teaminstabilität, Produktivitätseinbruch.

Im Vergleich dazu sind Trainings, individuelle Begleitung, flexible Modelle und kleine Arbeitsplatzanpassungen finanziell minimal. Der ROI entsteht durch weniger Fehlzeiten, weniger Präsentismus, stärkere Bindung, höhere Arbeitszufriedenheit und geringere Fluktuation.

Investitionen in Frauen zwischen 45 und 60 sind strategische Investitionen.


Warum auch die medizinische Versorgung ein Problem ist

Viele Frauen erleben dabei ein zweites, oft unsichtbares Problem: eine strukturbedingte Unterfinanzierung der Wechseljahresmedizin. Beratung, Aufklärung und Begleitung werden im deutschen Gesundheitssystem schlecht vergütet – technische Leistungen dagegen deutlich besser.

Das Ergebnis: Versorgungslücken, Missverständnisse – und die weit verbreitete Fehlannahme, gute Menopause-Medizin sei ein „Privatluxus".

Sie ist es nicht. Aber solange die Strukturen das nicht abbilden, braucht es Unternehmen und Angebote, die diese Lücke schließen.


Die Wechseljahre gehören in die Mitte der Arbeitswelt

Wechseljahre sind kein privates Thema. Sie sind ein Organisations-, Leadership- und Gesundheitsthema.

Wer sie ignoriert, verliert Erfahrung, Wissen und Bindung. Wer sie ernst nimmt, schafft eine Arbeitsumgebung, in der Frauen ihr Potenzial nutzen können – gerade in der Lebensmitte. Der Kulturwandel hat begonnen. Jetzt ist der Moment, ihn aktiv zu gestalten.


hermaid begleitet Unternehmen dabei

hermaid arbeitet mit Organisationen entlang drei Leitfragen: Wen betrifft es – und wie stark? Was brauchen diese Frauen konkret? Und welche Maßnahmen wirken wirklich?

Durch diese Kombination werden Wechseljahre kein Einzelprojekt – sondern ein strategischer Baustein moderner Arbeitswelten.

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Quellen

¹ British Menopause Society (2022): Menopause and Work. https://thebms.org.uk/

² Schweizer Menopause-Studie (Juli 2023), zusammengefasst in: HR Today, 12.03.2025: Unsichtbare Frauen am Arbeitsplatz – Menopause. https://www.hrtoday.ch/de/article/unsichtbare-frauen-am-arbeitsplatz-menopause

³ European Menopause and Andropause Society (EMAS) (2021): Menopause and work. https://www.emas-online.org/

⁴ HR Today (2025): Unsichtbare Frauen am Arbeitsplatz – Menopause, unter Verweis auf internationale Produktivitätsstudien.

⁵ Ebd. – Frühverrentungen Schweiz, Folgekosten > 2 Mrd. CHF jährlich.

⁶ Ebd., unter Verweis auf internationale HR-Kostenmodelle.

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