
Schlaflabor: Wann es sinnvoll ist – und was dich erwartet
Etwa ein Drittel unseres Lebens verbringen wir mit Schlafen. Schlaf ist keine Pause – er ist aktive Regeneration. Für das Gehirn, das Immunsystem, den Hormonhaushalt, die Herzgesundheit.
Und trotzdem leiden weltweit Millionen Menschen an Schlafstörungen – viele davon unerkannt und unbehandelt.¹
Wenn Schlafprobleme anhalten, trotz Alltagsveränderungen nicht besser werden oder den Alltag ernsthaft beeinträchtigen, kann eine schlafmedizinische Abklärung der nächste sinnvolle Schritt sein. Dein erster Ansprechpunkt dabei: deine Hausärztin oder dein Hausarzt.
Wann kann ein Schlaflabor sinnvoll sein?
Nicht jede Schlafstörung braucht sofort ein Schlaflabor. Der Weg dorthin beginnt meist mit einem ausführlichen Gespräch – über Krankengeschichte, Schlafgewohnheiten, Tagesabläufe. Fragebögen und Schlaftagebücher helfen dabei, Muster zu erkennen.
Gibt es Hinweise auf nächtliche Atemaussetzer, kommen zunächst mobile Messgeräte für zu Hause zum Einsatz. Bleibt die Diagnose danach unklar, kommt das Schlaflabor ins Spiel.¹
Eine Untersuchung im Schlaflabor – die sogenannte Polysomnographie – ist besonders dann vorgesehen, wenn:³
Schlaflosigkeit trotz Behandlung nicht besser wird. Andere Schlafstörungen ausgeschlossen werden sollen – etwa Schlafapnoe, Restless-Legs-Syndrom oder nächtliche Verhaltensstörungen. Schlafprobleme ein Sicherheitsrisiko im Beruf darstellen könnten. Oder ein deutlicher Widerspruch zwischen persönlichem Erleben und dem vermuteten Befund besteht.
Ambulant oder stationär – was ist der Unterschied?
Schlaflabore sind meist Abteilungen von Kliniken oder eigenständige schlafmedizinische Zentren.⁵
Beim ambulanten Schlaflabor bekommst du nach einem Arztgespräch ein kleines mobiles Messgerät mit nach Hause, das du in einer Nacht selbst anlegst. Es erfasst grundlegende Körperfunktionen wie Atmung, Herzschlag und Sauerstoffsättigung.⁴
Beim stationären Schlaflabor verbringst du eine oder mehrere Nächte im Labor. Medizinisches Personal überwacht deinen Schlaf mit einer umfassenden Messung – Gehirnströme, Augenbewegungen, Muskelaktivität, Herzrhythmus und mehr.⁴
So bereitest du dich vor
Eine gute Vorbereitung macht die Untersuchung zuverlässiger – und die Nacht angenehmer:⁶
Ab 14 Uhr kein Koffein. Tagsüber nicht schlafen. Haare frisch gewaschen und vollständig trocken – für eine gute EEG-Messung. Keine Haarpflegeprodukte am Untersuchungstag. Haut frei von Make-up, Nagellack ggf. entfernen. Keinen Schmuck tragen. Handy auf Flugmodus. Gepäck wie für eine Hotelübernachtung.
Alle Medikamente unbedingt vorher mit deiner Ärztin besprechen – manche beeinflussen den Schlaf und können Ergebnisse verfälschen. Niemals eigenmächtig absetzen.⁸
Eine Nacht im Schlaflabor – was wirklich passiert
Viele stellen sich eine solche Nacht unpersönlich und klinisch vor. In der Praxis ist es oft anders.⁶
Nach der Ankunft werden Abläufe erklärt, das Zimmer gezeigt. Offene Fragen können geklärt werden. Dann Nachtkleidung an – genauso wie zu Hause. Vor dem Einschlafen werden Elektroden und Sensoren mit einem hautfreundlichen Kleber angebracht. Schmerzfrei.
Während du schläfst, überwacht Personal aus einem Nebenraum, ob alle Messungen laufen. Moderne Schlaflabore ermöglichen es, die Schlafposition zu wechseln – manche arbeiten sogar drahtlos. Auch wenn der Schlaf nicht ganz so natürlich ist wie zu Hause: Die Aussagekraft der Untersuchung wird dadurch selten beeinträchtigt.
Was gemessen wird – und warum
Die Polysomnographie erfasst verschiedene Körperfunktionen gleichzeitig:⁶
Das EEG misst Gehirnaktivität – und ist das einzige zuverlässige Verfahren, um Schlaftiefe und Schlafphasen zu bestimmen. Das EOG misst Augenbewegungen – wichtig für die Erkennung der REM-Phase, in der wir träumen. Das EMG misst Muskelaktivität. Das EKG erfasst die Herzaktivität. Ein Pulsoximeter am Finger misst die Sauerstoffsättigung. Video- und Tonaufnahmen können eingesetzt werden, um auffälliges Verhalten im Schlaf zu beurteilen – du wirst vorher darüber informiert.
Weitere Tests bei starker Tagesmüdigkeit
Neben der nächtlichen Messung gibt es weitere Tests – besonders wenn Tagesschläfrigkeit im Vordergrund steht:
Der Multiple Schlaflatenztest (MSLT) misst über den Tag, wie schnell jemand einschläft – in 4–5 kurzen Nickerchen im Abstand von je zwei Stunden. Er ist ein anerkanntes Diagnoseverfahren für Narkolepsie.⁹
Der Multiple Wachbleibetest (MWT) untersucht, wie gut jemand wach bleiben kann.¹⁰
Was danach passiert
Die Ergebnisse liegen nicht sofort vor. Die Datenmenge ist groß und wird sorgfältig ausgewertet. Bei einem Besprechungstermin – im Schlaflabor oder bei der überweisenden Ärztin – werden dir Befunde erklärt und mögliche nächste Schritte besprochen.²
Dieser Artikel hat rein informativen Charakter und ersetzt keine medizinische Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden Schlafproblemen wende dich an deine Ärztin oder deinen Arzt.
Deinen Schlaf verstehen – von innen heraus
Schlafstörungen in den Wechseljahren haben oft hormonelle Ursachen. Östrogen, Progesteron und der Schlaf-Wach-Rhythmus sind eng miteinander verbunden. Wer das versteht, kann gezielter handeln.
Quellen:
¹ Riemann D et al. (2017). European guideline for the diagnosis and treatment of insomnia. Journal of Sleep Research. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28592415/
² Österreichische Gesellschaft für Schlafmedizin (ÖGSM). Patienteninformation Schlaflabor.
³ Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). S3-Leitlinie Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen. 2017. https://www.dgsm.de/
⁴ Penzel T et al. (2018). Ambulatory monitoring of sleep and sleep disorders. Current Opinion in Pulmonary Medicine. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29432219/
⁵ DGSM. Akkreditierte Schlaflabore. https://www.dgsm.de/
⁶ Kushida CA et al. (2005). Practice parameters for the indications for polysomnography. Sleep. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15724990/
⁷ Berry RB et al. (2020). The AASM Manual for the Scoring of Sleep and Associated Events. American Academy of Sleep Medicine.
⁸ Rechtschaffen A, Kales A. (1968). A Manual of Standardized Terminology, Techniques and Scoring System for Sleep Stages.
⁹ Littner MR et al. (2005). Practice parameters for clinical use of the MSLT and MWT. Sleep. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15700728/









